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Online-Marketing 14 Min. Lesezeit

Online-Marketing-Strategie erstellen 2026: In 7 Schritten zum Plan

ML

Moritz Lehmann

Geschäftsführer Adfera, M.Sc. Wirtschaftsinformatik, BAfA-akkreditierter Berater

Online-Marketing-Strategie erstellen 2026: In 7 Schritten zum Plan

Die meisten KMU machen Marketing ohne Plan: „Wir sollten Instagram haben.” „Schalte mal Google Ads.” „Mach mal SEO.” Ergebnis: 3 Kanäle gleichzeitig, keiner profitabel, Budget verpufft. Eine Strategie ändert das. Hier die 7 Schritte.

Zusammenfassung: Online-Marketing-Strategie in 7 Schritten: Ziele definieren (SMART), Zielgruppe analysieren (Personas), Kanaele priorisieren (nicht alle gleichzeitig), Budget festlegen, Content-Plan erstellen, KPIs definieren und iterieren. Fuer KMU: Mit 1-2 Kanaelen starten, nach 3 Monaten auswerten, dann erweitern. Typisches Startbudget: 500-2.000 Euro/Monat.

Inhaltsverzeichnis

  1. Schritt 1: Ziele definieren
  2. Schritt 2: Zielgruppe analysieren
  3. Schritt 3: Kanaele priorisieren
  4. Schritt 4: Budget festlegen
  5. Schritt 5: Content-Plan
  6. Schritt 6: KPIs
  7. Schritt 7: Umsetzen
  8. FAQ

Schritt 1: Ziele definieren (nicht „mehr Sichtbarkeit”)

Vage Ziele führen zu vagen Maßnahmen. Definiere SMART-Ziele:

SchlechtGut
„Mehr Sichtbarkeit”„Organischer Traffic +50 % in 6 Monaten”
„Mehr Kunden”„10 qualifizierte Anfragen/Monat über die Website”
„Social Media machen”„2 LinkedIn-Posts/Woche, 500 Impressionen/Post im Schnitt”

Die 3 Ziel-Kategorien für KMU:

  1. Bekanntheit (Impressionen, Reichweite, Sichtbarkeitsindex)
  2. Leads/Anfragen (Formular-Einsendungen, Anrufe, E-Mail-Anfragen)
  3. Umsatz (direkt zuordenbarer Umsatz über Website/Ads/E-Mail)

Für die meisten KMU: Starte mit Leads als Hauptziel. Bekanntheit ist ein Zwischenschritt, kein Endziel.

Schritt 2: Zielgruppe analysieren (Personas statt „Alle”)

Erstelle 1–3 Buyer Personas mit:

  • Demografisch: Alter, Geschlecht, Standort, Einkommen
  • Beruflich: Position, Branche, Unternehmensgröße, Entscheidungskompetenz
  • Schmerzpunkte: Welches Problem haben sie? Was frustriert sie am aktuellen Anbieter?
  • Suchverhalten: Was googeln sie? Welche Social-Plattformen nutzen sie?
  • Entscheidungskriterien: Preis? Qualität? Nähe? Bewertungen? Empfehlungen?

Beispiel-Persona Handwerksbetrieb (Zielgruppe: Hauseigentümer 40–65):

„Thomas, 52, Eigenheimbesitzer in Erfurt. Sucht einen Maler für die Fassade. Googelt „Maler Erfurt Bewertungen”. Vergleicht 3 Angebote, entscheidet nach Preis + Bewertungen + Termintreue.”

Schritt 3: Kanäle priorisieren (nicht alle gleichzeitig)

Die goldene Regel: Lieber 1 Kanal exzellent als 5 Kanäle mittelmäßig.

Kanal-Entscheidungsbaum für KMU:

  • Deine Kunden suchen aktiv in Google?SEO + optional Google Ads
  • Deine Kunden sind lokal?Lokales SEO + Google Business Profile
  • Dein Produkt ist visuell?Instagram / TikTok
  • Deine Zielgruppe ist B2B?LinkedIn + Content-Marketing
  • Du hast bestehende Kontakte?E-Mail-Marketing
  • Du willst sofortige Ergebnisse?Google Ads (Budget nötig)
  • Du willst langfristige Ergebnisse?SEO + Content-Marketing

Typische Kanal-Kombis für KMU:

  • Handwerker: Lokales SEO + Google Business Profile + Bewertungen
  • Praxis: Lokales SEO + Google Business Profile + Jameda
  • B2B-Dienstleister: SEO + Content + LinkedIn + E-Mail
  • E-Commerce: SEO + Google Ads + E-Mail + Social
  • Coach/Berater: Content + LinkedIn + E-Mail + Newsletter

Schritt 4: Budget festlegen (realistisch, nicht „was übrig bleibt”)

Faustregel für KMU: 5–10 % des Jahresumsatzes in Marketing. Davon 40–60 % in Online-Marketing.

JahresumsatzMarketing-Budget (7 %)Online-Marketing (50 %)Monatlich
200.000 €14.000 €7.000 €~580 €/Mo
500.000 €35.000 €17.500 €~1.460 €/Mo
1.000.000 €70.000 €35.000 €~2.900 €/Mo

Budget-Verteilung (Beispiel 1.500 €/Mo):

  • SEO/Content: 600 € (Agentur oder eigene Zeit)
  • Google Ads: 500 € Werbebudget + 200 € Betreuung
  • E-Mail-Tool: 50 €
  • Social-Media-Tool: 50 €
  • Analytics: 0–50 €

Schritt 5: Content-Plan erstellen

Basierend auf Kanal-Wahl und Zielgruppe:

  • Welche Themen? Keyword-Recherche + Kundenfragen + Wettbewerber-Content
  • Welche Formate? How-to, Kosten, Vergleiche, FAQ, Case Studies (→ Content-Formate)
  • Wie oft? 2–4 Beiträge/Monat für Blog/SEO, 2–3/Woche für Social, 2/Monat für Newsletter
  • Wer erstellt? Intern, Agentur, Freelancer, KI-unterstützt

Content-Marketing-Strategie im Detail

Schritt 6: KPIs definieren und messen

Pro Kanal maximal 3–5 KPIs:

KanalKPIs
SEOOrganischer Traffic, Rankings Top 10, Conversions
Google AdsCPA (Cost per Acquisition), ROAS, Conversions
ContentTraffic pro Artikel, Rankings, Verweildauer
E-MailOpen Rate, CTR, Conversions
SocialEngagement Rate, Link-Clicks, Follower-Wachstum

Reporting-Rhythmus: Monatlich reicht für KMU. Wöchentlich bei aktiven Ads-Kampagnen.

Marketing-Reporting Anleitung

Schritt 7: Umsetzen, messen, anpassen (Iterate!)

Der häufigste Fehler: Strategie schreiben, 3 Monate umsetzen, nie messen, nach 6 Monaten sagen „Marketing funktioniert nicht”.

Der richtige Ansatz:

  1. Monat 1–3: Pilotphase. 2–3 Maßnahmen mit höchstem Hebel starten. Messen.
  2. Monat 3–6: Was funktioniert, ausbauen. Was nicht funktioniert, stoppen oder anpassen.
  3. Monat 6–12: Skalierung der funktionierenden Kanäle. Neue Kanäle testen.
  4. Monat 12: Strategie-Review. Was hat sich am Markt/bei der Zielgruppe verändert?

Meine Einschätzung als Agenturinhaber: Der groesste Fehler bei Online-Marketing-Strategien: Alles gleichzeitig machen wollen. Instagram, LinkedIn, Google Ads, SEO, Newsletter — und nach 3 Monaten hat keiner der Kanaele genug Aufmerksamkeit bekommen, um Ergebnisse zu liefern. Mein Rat: Waehle EINEN Kanal, mach ihn richtig, und erweitere erst, wenn er funktioniert.

Mehr Kontext: Beispiel-Strategie für einen Handwerksbetrieb im Harz

Konkreter als Theorie. Hier die tatsächliche 1-Seiten-Strategie, die wir 2024 mit einem Elektriker-Betrieb in Ilsenburg erarbeitet haben (anonymisiert):

Ausgangssituation: 5 Mitarbeiter, 420 T€ Umsatz, Website-Sichtbarkeit Null, 6 organische Anfragen/Jahr.

Ziel (12 Monate): 25 qualifizierte Anfragen/Jahr via Website, Top-3 für 10 lokale Keywords.

Zielgruppe (Primär-Persona): „Andrea, 48, Hausbesitzerin in Ilsenburg/Wernigerode, plant Badsanierung/E-Check/Solaranlage. Sucht bei Google, vergleicht 3 Angebote, entscheidet nach Bewertungen + Angebots-Qualität + Termintreue.”

Kanal-Mix:

  1. Lokales SEO (Priorität 1) — Google Business Profile, NAP-Optimierung, 10 Leistungsseiten
  2. Bewertungs-Strategie (Priorität 2) — nach jedem Auftrag aktiv abfragen
  3. WaaS-Website mit SEO-Basis (Priorität 3) — 119 €/Monat, alles inklusive

NICHT gemacht: Instagram (Zielgruppe kauft nicht via Social), Google Ads (Budget zu knapp, SEO priorisiert), LinkedIn (kein B2B-Fokus).

Budget: 119 €/Mo WaaS + 400 €/Mo SEO-Betreuung = 519 €/Monat = 1,5 % vom Umsatz.

KPIs:

  • Google Search Console: Organische Klicks (Start: 12/Monat, Ziel: 150/Monat nach 12 Mo)
  • Anfragen/Monat über Kontaktformular (Start: 0,5/Monat, Ziel: 2,5/Monat)
  • Google-Bewertungen (Start: 8, Ziel: 40+)

Ergebnis nach 14 Monaten (Q1 2026):

  • 27 Anfragen/Jahr — Ziel übertroffen
  • Top-3 für 11 Keywords
  • 42 Bewertungen mit Ø 4,8 Sternen
  • Zusätzlicher Umsatz: ~11.000 €/Jahr

Lesart: Eine klare Strategie auf 1 Seite + konsequent über 12 Monate umgesetzt schlägt jeden komplexen Plan ohne Umsetzung.

Häufige Fallen beim Strategie-Erstellen

Was in der Praxis oft schiefgeht:

  1. Zu viele Ziele — statt 1 Hauptziel werden 8 Ziele formuliert, am Ende wird keins erreicht
  2. Zielgruppe zu vage — „alle, die Geld haben” statt konkreter Persona
  3. Zu viele Kanäle — Versuch, überall präsent zu sein, Ergebnis: nirgendwo stark
  4. Budget unklar — „wir gucken mal, was übrig bleibt” führt zu Planungschaos
  5. Keine klare Nicht-machen-Liste — alles Mögliche wird als Option gehalten, Fokus fehlt
  6. Kein Review-Datum — Strategie wird geschrieben, dann nie überprüft
  7. Keine Messgrößen — wenn man nicht misst, weiß man nicht, ob es funktioniert

FAQ

Brauche ich eine schriftliche Strategie oder reicht ein Gefühl?

Schriftlich. Nicht weil es formell sein muss, sondern weil du nur so messen kannst, ob du auf Kurs bist. 3–5 Seiten reichen für KMU.

Wie oft sollte ich die Strategie überarbeiten?

Jährlich grundlegend. Quartalsweise taktisch (Maßnahmen anpassen). Sofort bei großen Veränderungen (neues Produkt, neuer Markt, Krise).

Was kostet es, eine Marketing-Strategie entwickeln zu lassen?

Bei Adfera: 6.000–12.000 € (5–10 Beratertage). BAfA-förderfähig bis 80 %. Alternativ: 1-Tages-Workshop für 1.500 € mit DIY-Umsetzung.

Wie unterscheidet sich eine Marketing-Strategie für B2B und B2C?

B2B: Längere Entscheidungsprozesse (Wochen/Monate), mehrere Stakeholder, Fokus auf LinkedIn + Content + E-Mail + Sales-Calls. B2C: Kürzere Entscheidungsprozesse (Minuten/Tage), Single-Entscheider, Fokus auf Social + Google Ads + SEO + lokale Präsenz.

Kann ich eine Marketing-Strategie alleine erstellen oder brauche ich externe Hilfe?

Für KMU mit einfacher Zielgruppe (1 Persona, 2 Kanäle) oft alleine machbar. Komplexere Strategien (B2B mit mehreren Personas, Multi-Channel) profitieren deutlich von externer Perspektive — weil Betriebsblindheit unvermeidlich ist. BAfA-Förderung macht externe Beratung finanziell zugänglich.

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Über den Autor: Moritz Lehmann ist Geschäftsführer von Adfera und hat Marketing-Strategien für über 50 KMU entwickelt — von der 580-€/Mo-Handwerker-Strategie bis zum 6-stelligen SaaS-Marketing-Plan.

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